Grammatikstübchen

Grammatikstübchen

In meinem kleinen Grammatikstübchen gebe ich kurze Erklärungen zu sprachlichen Phänomenen.

Hierbei beschränke ich mich nicht auf reine Grammatikregeln, sondern gebe auch einen Überblick zu anderen relevanten Themen für Autoren.

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Dichterische Freiheit

GrammatikPosted by Mara Wed, September 09, 2015 22:13:22
In einem Laiengedicht las ich neulich den Konjunktiv "sie beschwörten". Auf meinen Einwand hin, dass es "beschwören" oder "beschwüren" heißen müsste, wurde mir erklärt, es handele sich um "Dichterische Freiheit".

In letzter Zeit bin öfters darüber gestolpert, dass offensichtliche Fehler als "Dichterische Freiheit" bezeichnet worden sind.

Daher möchte ich eine kleine Definition geben:

Dichterische Freiheit bezeichnet einen absichtlichen Verstoß gegen allgemeingültige Regeln, der mit einer bestimmten Intention begangen wird.

Um absichtlich und gezielt gegen die Regeln zu verstoßen, muss man sie jedoch erst einmal beherrschen.

Beispiel:
In dem Gedicht Der Werwolf von Christian Morgenstern kommt "des Weswolfs" vor. Das ist kein Fehler, sondern ein bewusster Verstoß gegen die grammatische Form, da es im gesamten Gedicht um eine scherzhafte Auseinandersetzung mit den vier Fällen geht. Dies ist ein Beispiel für dichterische Freiheit, da Morgenstern mit der verballhornisierten Form etwas Bestimmtes bezweckt.


Wer Autor werden will, sollte die deutsche Sprache beherrschen.
Wer sich bei einer Form unsicher ist, sollte in einem Wörterbuch nachschlagen. Wer keines zur Hand hat, wird auch unter duden.de fündig.

Niemand weiß alles, aber jeder angehende Autor sollte bereit sein, sich weiterzubilden. Wer seine Fehler als Dichterische Freiheit bezeichnet, tut sich auf lange Sicht keinen Gefallen.






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