Grammatikstübchen

Grammatikstübchen

In meinem kleinen Grammatikstübchen gebe ich kurze Erklärungen zu sprachlichen Phänomenen.

Hierbei beschränke ich mich nicht auf reine Grammatikregeln, sondern gebe auch einen Überblick zu anderen relevanten Themen für Autoren.

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Der leidige Bindestrich

RechtschreibungPosted by Mara Thu, June 01, 2017 10:57:31
Bei althergerbrachten zusammengesetzten Wörtern wie Raumfahrt, Kühlschrank oder Liegewiese setzt man in der Regel keinen Bindestrich. Ausnahmen sind zusammengesetzte Wörter, die sich sonst sehr schwer entziffern lassen, wie z.B. Tee-Ernte oder See-Elefant.

Bindestriche unterbrechen den Lesefluss immer, daher sollte man sie sparsam einsetzen. In manchen Fällen können sie die Verständlichkeit eines Textes jedoch erhöhen.

Bei manchen Wörtern macht das Gehirn gerne mal eine falsche Zensur, wie z.B. bei bein-halten (be-inhalten), Model-Abel (Mode-Label), Tather-gang (Tat-Hergang). Auch englisch wirkende Wörter wie "brathering" (Brat-Hering) können manchen Leser zur Verzweiflung treiben.

Zum Weiterlesen:

beim Zwiebelfisch

im Grammatikstübchen









Zweifelsfälle der Groß- und Kleinschreibung

RechtschreibungPosted by Mara Mon, October 12, 2015 18:17:21

So, ganz blödes Thema.

Die Rechtschreibreform im Jahr 1996 hat viele Deutsche verwirrt. Dann gab es 2004 eine Neufassung und 2007 nochmal ein paar Änderungen, die einige der Regelungen von 1996 widerrufen haben.

Bis auf weiteres haben wir also wirklich genug von Rechtschreibreformen ... oder bis auf Weiteres?

In diesen Fällen versagt oft das Bauchgefühl, weil man einfach zu oft beide Versionen gelesen hat.

Normalerweise gilt die Regel:

Wenn ein Artikel vor das Verb gesetzt werden kann, wird es großgeschrieben (das Baden, das Lesen, das Schreien), denn es wurde substantiviert, also zu einem Hauptwort gemacht.

Konstruktionen wie „bis auf W/weiteres“ oder „seit L/langem“ können allerdings unterschiedlich betrachtet werden. Wenn man sie als Adverb (wie gestern/neulich) ansieht, müsste man sie kleinschreiben. Wenn man sie als Substantiv (das Kurze) betrachtet, müsste man sie großschreiben.

Leider hat sich der DUDEN hier nur teilweise festgelegt. Während er „seit Langem“ ebenso wie „seit langem“ akzeptiert, lässt er bei „im Klaren“ nur die Großschreibung zu.

Das ist mit keinerlei Logik zu erklären.

Im Zweifelsfall rate ich dazu, die Schreibung zu überprüfen. Ist das nicht möglich, würde ich eher zur Großschreibung raten, da der DUDEN sie meistens bevorzugt.

Immer kleingeschrieben werden Pronomen wie:

jemand, niemand, mancher, anderer …

Bei zwei möglichen Schreibweisen sollte man sich für eine entscheiden und diese dann konsequent in seinem Text durchhalten.



"dass" oder "das"?

RechtschreibungPosted by Mara Thu, September 03, 2015 13:03:29

Auf dass ihr dass und das richtig anwendet, denn das ist gar nicht so schwer…

Sehr viele Menschen verwechseln immer wieder „dass“ und „das“. Dabei ist der der Unterschied groß und wirklich leicht zu verstehen.

Das mit einem s ist ein Pronomen, es steht für dieses, welches oder jenes.

Beispiel: „Das Buch, das ich meine, ist vergriffen.“

Man könnte auch sagen: „Das Buch, welches ich meine, ist vergriffen.“

Dass ist eine Konjunktion, die einen anderen Satz einleitet.

Beispiel: „Er verlangt, dass wir aufräumen.“

Test:

Prüfe einfach in Gedanken ob sich das mit welches ersetzen lässt. Wenn ja, wird es mit einfachem s geschrieben.

Wenn der Satz dadurch seinen Sinn verliert, muss dass mit zwei s geschrieben werden.

Das ist schon alles!

Es dauert zehn Sekunden, und ihr seid auf der sicheren Seite.

Übrigens: Wenn das oder dass hinter einem Komma steht, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass es sich um dass handelt.

Beispiel: Ich will, dass ihr jetzt endlich reinkommt!

Ihr könnt das aber nicht als feste Regel nehmen, denn es gibt auch Ausnahmen:

Beispiel:

Ich sehe das Haus, das ich so lange gesucht habe.

Noch eine Anmerkung:

In der Rechtschreibreform wurde daß vollständig durch dass ersetzt.



seid/seit

RechtschreibungPosted by Mara Mon, August 31, 2015 18:39:56

Eigentlich ist der Unterschied zwischen "seid" und "seit" ganz einfach. Dennoch werden die beiden Schreibweisen oft verwechselt.

Dabei sind es zwei völlig verschiedene Wörter, die nur zufälligerweise fast gleich geschrieben werden.

"Seid" ist eine Form von "sein" (die 2. Person Plural), es heißt beispielsweise "Ihr seid zu spät!" oder "Seid ihr immer noch nicht fertig?".

"Seit" ist eine Präposition oder Konjunktion (Artikel dazu folgt), die festlegt, ab wann etwas eingetreten ist. "Seit" wird also nur in Verbindung mit Zeitangaben verwendet.

"Seit fünf Jahren arbeite ich schon an diesem Konzept."

"Seit sie bei uns lebt, ist alles viel lustiger."

Als Eselsbrücke kann man sich merken: ZeiT = SeiT